Zucht von Zwergpapageien im Weltvogelpark Walsrode

Walsrode Vogels Park

Mit Ruhe zum Erfolg!

Anne Hoppman, Norbert Neuman

English Version: Breeding Fig-Parrots in Weltvogel Park Walsrode: With Calmness to Success!

Orange-breasted Fig Parrot - Male

Double-eyed Fig ParrotMit einer Größe von bis zu maximal 20 cm gehören die Zwerg- und Feigenpapageien (Tribus Cyclopsittacini) zu den kleineren Arten innerhalb der Ordnung der Eigentlichen Papageien (Psittaciformes).

Im Weltvogelpark werden vier der fünf bekannten Arten dieser kleinen Papageien (Genus Cyclopsitta und Psittaculirostris) gehalten. In der Brutsaison 2012 ist es gelungen, die Orangebrust-Zwergpapageien (Cyclopsitta gulielmitertii) sowie die Masken- oder Rotwangen-Zwergpapageien (Cyclopsitta diophthalma) mehrfach erfolgreich nachzuzüchten. Beide Arten sind, bezogen auf zoologische Einrichtungen, deutschlandweit nur im Weltvogelpark zu sehen.

Der Orangebrust-Zwergpapagei bewohnt in sieben Unterarten Regen-, Monsun- und Sumpfwälder auf Neuguinea und den umliegenden Inseln. Er kommt im Tiefland und Bergregionen bis in eine Höhe von 1100 m vor.


Nahrung

Namensgebend und gleichzeitig eine Besonderheit dieser kleinen Papageien ist deren Ernährungsweise – in freier Wildbahn besteht der Hauptteil ihrer Nahrung aus Früchten verschiedener Feigenbäume, wobei meist die Samen und weniger das Fruchtfleisch der Feigen bevorzugt werden. Zusätzlich werden verschiedene andere Früchte und Beeren, Nektar und auch Insekten und deren Larven aufgenommen.

Double-eyed Fig Parrot Juvenile (after fledging)


Orange-breasted Fig Parrot - FemaleZucht

In freier Wildbahn erstreckt sich die Brutsaison hauptsächlich von Dezember bis Juni. Diese Zwergpapageien graben ihre Nisthöhlen selbständig meist in auf Bäumen befindlichen Termitenbauten. Im Gegensatz dazu nisten die Masken-Zwergpapageien in bereits vorhandenen Aushöhlungen hoher Bäume oder in verfaulten Baumstämmen oder Zweigen. In acht Unterarten kommt diese Art auf Neuguinea sowie an der Nordost-Küste Australiens vor und bewohnt dort Tiefland- und Bergwälder, Mangroven und lichte Waldgebiete bis in Höhen von 2000 m. Auf Neuguinea ist die Haupt-Brutzeit von März bis Juni, während die Vögel in Australien hauptsächlich von August bis November brüten.

In menschlicher Obhut hat es sich gezeigt, dass Zwergpapageien sehr empfindlich und gerade in der Brutzeit sehr empfänglich für Störungen und Änderungen am Nistkasten und in der direkten Umgebung sind. Um eine erfolgreiche Zucht zu gewährleisten, kommt es daher auf das richtige Fingerspitzengefühl und einen sorgsamen Umgang mit den Vögeln an.

Um die im Weltvogelpark Walsrode gehaltenen Orangebrust-Zwergpapageien in der Brutzeit zur Eiablage zu animieren, werden selbstgebaute Nistkästen mit einer Größe von 20 cm x 20 cm x 30 cm (Höhe x Breite x Länge) in den Zuchtvolieren hinter den Kulissen angebracht. Diese Nistkästen werden aus wasserfesten Spanplatten gefertigt. An beiden Seiten der Nistbox befindet sich jeweils ein Einflugloch von 4 bis 6 cm Durchmesser. Innen werden die Kästen mit Natur-Korkplatten vollständig ausgefüllt. Am Einflugloch wird der Kork etwas angeritzt, so dass die Vögel einen Ansatzpunkt vorfinden, von dem aus sie anfangen können, ihre Bruthöhle in den Kork zu graben. Beim gemeinsamen Graben der Höhle wird der Bruttrieb des Paares stimuliert. Hat die  ausgegrabene Bruthöhle in etwa einen Durchmesser von etwa 8 bis 10 cm erreicht, so legt das Weibchen ihre Eier – normalerweise zwei, aber auch ein Ei oder drei Eier sind möglich. Nach einer Brutzeit von 20 bis 22 Tagen schlüpfen die Jungen. Während des Heranwachsens der Jungtiere wird die Bruthöhle von den Eltern immer weiter vergrößert. Die Vögel sind von Natur aus reinlich - die Jungtiere setzen ihren Kot schon frühzeitig aus dem Eingang der Höhle ab, so dass die Höhle innen selbst sauber bleibt.

Orange-breasted Fig Parrot - MaleIm Gegensatz zu den Nistkästen der Orangebrust-Zwergpapageien wird den Masken-Zwergpapageien als Bruthöhle ein runder Naturstamm angeboten. Diese Höhle ist etwa 25 cm x 20 cm (Höhe x Breite) groß und hat einen Durchmesser von ca. 15 cm. Das Einflugloch ist im Durchmesser 4 bis 6 cm groß und liegt dabei maximal 20 cm über dem Höhlenboden. Dieser ist mit Hobelspänen ausgepolstert.

Sobald ein Paar der Zwergpapageien Eier hat, werden die Vögel bis zum ungefähren Schlupfdatum eines Jungtieres vollständig in Ruhe gelassen. Der Nistkasten wird dann kurz nach dem ausgerechneten Schlupfdatum kontrolliert, aber auch nur, wenn die Henne den Kasten zur Futteraufnahme verlassen hat. Sobald es sicher ist, dass Jungtiere geschlüpft sind, wird das Futter der Vögel erweitert. Die Standard-Diät der Zwergpapageien im Weltvogelpark besteht aus Keimsaaten, einem Obstgemisch aus Blaubeeren, Weintrauben, Äpfeln und Papaya sowie getrockneten, mindestens 24 h in Wasser eingeweichten Feigen. Zusätzlich wird dem Futter jeweils ein Esslöffel Insekten- und Troipcal-Patee von Versele Laga zugegeben. Kolbenhirse steht den Tieren dauerhaft zur Verfügung. Nach dem Schlupf von Jungtieren wird die Nahrung erweitert. Zusätzlich zur Grundnahrung erhalten die Vögel Brei, der zu drei Teilen aus dem Aufzuchtfutter NutriBird A21 und zu einem Teil aus dem Orlux Lori-Pulver von Versele Laga zusammengemischt wird. Wenn die Jungen etwa 14 Tage alt sind, erhalten die Vögel zusätzlich weiße, frisch gehäutete Mehlwürmer.

Generell werden die Vögel während der Brutzeit und nach dem Schlupf eines Jungtieres weitestgehend in Ruhe gelassen und nur von wenigen, den Vögeln bekannten Tierpflegern versorgt. Nach 35 bis 42 Tagen verlassen die Jungen zum ersten Mal die Nisthöhle, kehren jedoch in den ersten Tagen nach dem Ausfliegen immer wieder in den Nistkasten zurück. Die Jungtiere werden im Alter von etwa 60 bis 70 Tagen von den Eltern abgesetzt und jede Art als Jungtiergruppe in eine Voliere angrenzend zur Zuchtvoliere der Elterntiere zusammengesetzt.

Da speziell die Zwergpapageien extrem empfindlich auf Störungen am Nistkasten und in ihrer unmittelbaren Umgebung reagieren, wird nach Absprache mit dem Ministerium auf eine geschlossene Beringung verzichtet. Die Jungtiere werden stattdessen beim Absetzen von den Eltern mit offenen Aluminium-Ringen gekennzeichnet.

Damit nicht genug der Zuchterfolge – nach dem Absetzen der ersten ausgewachsenen Jungtiere dieses Jahres haben beide Paare der Orangebrust-Zwergpapageien wieder mit einer neuen Brut begonnen. Ein weiteres Jungtier ist inzwischen herangewachsen und hat Anfang September den Nistkasten bereits verlassen; beim zweiten Brutpaar ist im September noch ein neues Jungtier geschlüpft. Auch die Masken-Zwergpapageien machen Anstalten, wieder mit einer neuen Brut zu beginnen.

Orange-breasted Fig Parrot - Parents with two Juveniles

Orange-breasted Fig Parrot - Juvenile

In diesem Jahr hat es also besonders gut geklappt – zwei Paare der Orangebrust-Zwergpapageien haben erfolgreich bisher insgesamt vier Jungtiere groß gezogen. Bei den Masken-Zwergpapageien haben ebenfalls zwei Zuchtpaare erfolgreich gebrütet und jeweils ein Jungtier groß gezogen.

Über dieses großartige Zuchtergebnis freut sich der Weltvogelpark im Jubiläumsjahr seines 50jährigen Bestehens besonders! Und wir freuen uns auf viele weitere, wunderschöne Jungtiere...


Literatur:

  • del Hoyo, J., Elliott, A. & Sargatal, J. eds (1997). Handbook of the Birds of the World. Volume 4. Sandgrouse to Cuckoos. Lynx Edicions, Barcelona.IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.1





Orange-breasted Fig Parrot - Juveniles



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