Tukanzucht im Weltvogelpark Walsrode

Jürgen Vielguth, Kerstin Kirchhöfel, Timo Allner, Anne Hoppmann

Article in English: Breeding Toucans in Weltvogelpark Walsrode

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Juvenile Black-necked Aracari

Black-necked Aracari adult

Tukane – farbenfrohe Vögel aus Südamerika.

Die Familie der Tukane (Ramphastidae) zeichnet sich besonders durch ihren im Vergleich zum Körper auffallend großen Schnabel aus.

Insgesamt gibt es 34 bekannte Arten, die die größte Diversität am Amazonasbecken zeigen. Die Tupi-Indianer Brasiliens nannten den Riesentukan, welcher ein bedeutender Vertreter der Tukane in Brasilien ist, in ihrer Sprache Tucano-açu, welches sich herleitet aus dem Ursprungswort „tu-quá“ oder „tu-cá“, was „großer Schnabel“ bedeutet. Das Wort „açu“ bedeutet zusätzlich „riesig“, „beträchtlich“ oder „gigantisch“.

Die Zucht von Tukanen in menschlicher Obhut ist weltweit sehr selten. Im Weltvogelpark Walsrode ist die Arbeit mit Tukanen seit frühester Gründungszeit ein wichtiger Bestandteil und ein wichtiges Merkmal des Parks. Der Riesentukan (Ramphastos toco) ist der Symbolvogel des Weltvogelpark Walsrode, prägt das alte Logo des „Vogelpark Walsrode“ und ist auch heute noch auf Flyern, Plakaten und Eintrittskarten zu sehen. Der Weltvogelpark Walsrode war weltweit die erste Institution, die Tukane gezüchtet hat. Im Jahre 1967 gelang dem Park erstmalig die Nachzucht von Bunttukanen (Ramphastos dicolorus) und vier Jungtiere wurden von ihren Eltern erfolgreich aufgezogen. Die Naturbrut wurde gut dokumentiert und ein ausführlicher Bericht erschien damals im Jahresbericht des Vogelparks.

Toco Toucan Adult Pair

Toco Toucan FledglingIm Januar 2010 wurden insgesamt fünf Tukanarten aus Guyana, Südamerika, in den Park gebracht. Nach der erfolgreich durchgeführten Quarantäne wurden verschiedene Zuchtpaare jeder Art hinter und vor den Kulissen zur Zucht angesetzt. Knapp ein Jahr später wiesen im Frühjahr bereits einige Brutpaare ausgeprägtes Interesse an ihren Nisthöhlen auf und zeigten Balz- und Paarungsverhalten. Nun ist es gelungen, bereits 2 der 5 importierten Tukan-Arten erfolgreich nachzuziehen. Im Juli 2011 sind im Weltvogelpark Walsrode drei junge Riesentukane (Ramphastos toco) und vier junge Schwarzkehlarassaris (Pteroglossus aracari atricollis) ausgeflogen. Der Park ist sehr stolz auf dieses besondere Ereignis, da die Zucht von Tukanen nicht einfach ist.

Der Riesentukan (Ramphastos toco) ist im östlichen Südamerika von Guyana bis Nord-Argentinien und Paraguay verbreitet. Er lebt hauptsächlich an Waldrändern entlang von Flüssen und Küsten, in Baumgruppen von Savannen und auf Plantagen. Diese größte Tukanart ist die einzige, die auch häufiger in offenen Gebieten außerhalb der Regenwälder angetroffen wird. Riesentukane ernähren sich hauptsächlich von Früchten und Insekten, nutzen aber auch ihren langen Schnabel, um als geschickter Nesträuber an Eier und Jungtiere von anderen Vogelarten zu gelangen - auch wenn neuere Studien aus dem Pantanal, einem tropischen Feuchtgebiet, zeigen, das dies eher die Ausnahme ist (R. Watson u.a. 2011, persönlicher Kommentar). Riesentukane legen in der Regel zwei bis vier Eier pro Gelege. Die Brut übernehmen normalerweise beide Elterntiere für 17 bis 18 Tage. Die geschlüpften Jungtiere werden anfangs hauptsächlich mit Insekten und später immer mehr mit Früchten gefüttert. Nach ungefähr 43 bis 52 Tagen fliegen die Jungtiere aus ihren Nisthöhlen aus.

Toco Toucan Adult and 2 Fledglings

Im Frühjahr 2010 ist ein junges Riesentukan-Pärchen in den Weltvogelpark Walsrode zusammen in eine der großen, gut bepflanzten Volieren der Fasanerie gesetzt worden – sichtbar für die Besucher. Bereits im Mai des darauf folgenden Jahres 2011 zeigte das Zuchtpaar Interesse an der Nisthöhle, welche aus einem Naturstamm besteht, der leicht schräg an der Rückwand des Außengehege befestigt  wurde. Um die Vögel zur Brutsaison zusätzlich zu stimulieren, wurde das Futter der Elterntiere umgestellt - sprich der Proteinanteil im Futter wurde erhöht und das Futter an sich mit mehr Vitaminen angereichert. Die Riesentukane wiesen bereits sehr früh ein stark territoriales Verhalten und Aggressionen gegenüber anderen Volieren-Mitbewohnern auf, die im oberen Teil der Voliere auf Sitzästen saßen. Daher mussten diese tierischen Mitbewohner in andere Volieren umgesetzt werden, um dem Riesentukan-Paar die Voliere für sich alleine zur Verfügung zu stellen.

Am 06. Juni 2011 fanden die Vogelpfleger des Tropen-Reviers des Weltvogelpark Walsrode zwei Eierschalen außerhalb des Nistkastens. Um die brütenden Tukane nicht zu stören, wurden Reinigungsarbeiten und Gehegepflege minimiert. Zum Zeitpunkt des Schlüpfens der Jungtiere war noch unklar, wie viele junge Riesentukane in der Nisthöhle sitzen. Ab Ende Juni wurden die ersten Bettellaute vernommen. Die Alttiere trugen während der Brutzeit regelmäßig den Kot der Jungen aus der Höhle. Den Elterntieren wurden von früh morgens bis spät abends regelmäßig Futterteller mit frischer Nahrung angeboten, um zu gewährleisten, dass alle Jungtiere ausreichend gefüttert werden. Vor dem Ausfliegen war mindestens ein Jungtier zuerst mit dem Schnabel, später mit dem halben Körper am Eingang der Höhle zu sehen.

Am 21. Juli 2011 flog schließlich das erste Jungtier aus. Einen Tag später folgte der zweite junge Riesentukan und der dritte Jungvogel wurde erstmalig am Eingang der Nisthöhle gesichtet. Da war die Freude bei allen Mitarbeitern groß, denn mit drei Jungen hatte niemand so richtig gerechnet. Das letzte Jungtier flog dann am 25. Juli aus. Man konnte sehen, dass die drei jungen Tukane unterschiedliche Körpergrößen aufwiesen. Sie flogen aber alle von Anfang an zielgerichtet von Ast zu Ast und steuerten direkt von der Höhle aus die Sitzäste in der Voliere an, um dann von dort aus ihre Umgebung zu erkunden. Nach dem Verlassen der Nisthöhle wurde nicht beobachtet, dass sich die Jungtiere, zum Beispiel nachts, wieder in die Höhle zurückzogen - auch bei Regen saßen sie ohne Probleme in ihrer Außenvoliere. Bereits am 30. Juli wurde das älteste Jungtier bei der selbstständigen Futteraufnahme am Futterteller beobachtet. Die jungen Riesentukane zeichneten sich durch ihren noch kurzen Schnabel und eine blasse Gefieder- und Schnabelfärbung aus, ähnelten jedoch ansonsten schon stark ihren Eltern. Die Jungtiere waren in einer sehr guten Kondition, wiesen ein sehr gutes Gefieder auf und waren von Anfang an sehr aufmerksam und neugierig. Sie zeigten keine Scheu vor Tierpflegern und Besuchern des Parks.

Für den Weltvogelpark Walsrode ist dies die erste Naturbrut des Riesentukans überhaupt – generell ist die Aufzucht von Tukanen durch die Eltern ein seltenes Ereignis. Die Hauptvoraussetzungen dafür sind ein kompatibles Brutpaar und eine geeignete Nisthöhle, die von dem Paar angenommen wird. Der Weltvogelpark benutzt speziell für den Park angefertigte Naturstamm-Höhlen, die etwa halb voll mit Natursägespänen gefüllt wurden. Der Weltvogelpark Walsrode bevorzugt grundsätzlich immer eine Naturbrut. Die Altvögel sind damit in der Lage, ihr natürliches Brutverhalten auszuleben, was erheblich zur artgerechten Haltung der Tiere beiträgt. Des Weiteren werden somit die Jungtiere direkt von den Alttieren sozialisiert und die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass sie selber wieder eine Naturbrut durchführen und später erfolgreich ihre eigenen Jungen aufziehen. Tukane in der Handaufzucht können sich hingegen extrem auf den Menschen fixieren und fehlgeprägt werden. Aus diesem Grund ist eine erfolgreiche Nachzucht mit von Hand aufgezogenen Vögeln eher selten.

Zu den kleineren Tukanarten gehören die Arassaris, im Weltvogelpark vertreten durch den weit verbreiteten Schwarzkehlarassari (Pteroglossus aracari atricollis) und den zierlichen Grünarassari (Pteroglossus viridis), der auch schon erfolgreich im Weltvogelpark Walsrode brütete. Der Schwarzkehlarassari ist vom Nordosten Südamerikas bis zum Südosten Brasiliens verbreitet. Sein Lebensraum erstreckt sich vom Tiefland über feuchte Wälder bis hin zu Galeriewäldern der Savannen und fruchttragenden Baumplantagen wie zum Beispiel Papayas. Diese Arassari-Art legt zwei bis vier Eier pro Gelege. Die Brut übernehmen beide Elternteile für 16 bis 17 Tage. Die Jungtiere schlüpfen nackt und gräulich gefärbt und werden von beiden Elternteilen gefüttert - teils durch wieder hervor gewürgtes Futter. Nach ungefähr 40 Tagen fliegen Schwarzkehlarassari-Jungtiere aus.

Black-necked Aracari Fledglings

Fast zeitgleich mit den Riesentukanen begann auch das Paar der Schwarzkehlarassaris, die in einer Schauvoliere vor den Kulissen sitzen, im Weltvogelpark Walsrode mit dem Brutgeschäft. Wie bei den Riesentukanen wurde das Futter der Elterntiere zu Beginn der Brutzeit auf eine protein- und vitaminreichere Ernährung umgestellt. Die Schwarzkehlarassaris zeigten ebenfalls ein territoriales Verhalten gegenüber den Volieren-Mitbewohnern, welche auch in den oberen Regionen der Voliere aktiv sind, so dass diese aus der Voliere genommen wurden. Ab Mitte Juni waren die Elterntiere sehr häufig im Nistkasten und kehrten ab dem 20. Juni nur zur Futteraufnahme in die Voliere zurück. Mit der Zeit wurden bereits lauter werdende Bettelrufe von Jungtieren aus der Nisthöhle vernommen, jedoch war auch hier noch unklar, wie viele Jungen geschlüpft sind.

Gegen Ende der Nestlingszeit wurde dann ein kleiner Schnabel am Eingang der Nisthöhle beobachtet und am 21. Juli schaute das erste Jungtier aus der Höhle. Am 31. Juli verließen schließlich drei Jungtiere gleichzeitig die Nisthöhle, einen Tag später auch das vierte Jungtier. Ein toller Erfolg für alle Mitarbeiter des Weltvogelpark Walsrode. Die vier Jungtiere sind im Gegensatz zu den Riesentukanen fast gleichzeitig ausgeflogen und in den ersten Wochen nachts immer wieder in die Nisthöhle zurückgekehrt. Ein weiterer Unterschied zu den Riesentukan-Jungen ist eine höhere Aktivität, was aber im Wesen der quirligeren Arassaris liegt. Auch die Alttiere sind wesentlich aktiver und agiler als die weitaus größeren Riesentukane. Das Flugvermögen ähnelte dem der Riesentukan-Jungen - zielgerichtet flogen auch die kleinen Arassaris durch die Voliere. Sehr schön zu beobachten war die immense Fürsorge der Altvögel, die ihren Nachwuchs keine Sekunde aus den Augen ließen. Die Fütterung der Jungen teilten sich beide Partner und holten unermüdlich Futterstücke aus dem Futternapf im Innenraum und gaben es an die Jungvögel weiter. Auch die kleinen Arassaris ähneln ihren Eltern sehr, haben aber neben der geringeren Körpergröße einen kleineren, helleren Schnabel.

Toco Toucans Juveniles